Veranstaltungshaus Bodenseeforum Konstanz

Bodenseeforum Konstanz – Inoffizieller Bürgerblog

Hier finden Sie einen kurzen Abriss hinter der Geschichte des Bodenseeforums Konstanz.

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Das Bodenseeforum Konstanz:
Happy End in Etappen

Es ist vollbracht: Das neue Veranstaltungshaus für Konstanz hat Ende April 2015 nach Beschluss des Gemeinderats den Namen „Bodenseeforum Konstanz“ erhalten. Damit ist nach langen Jahren der Suche nach einem geeigneten Ort der Weg frei, das vormalige „Centrotherm“-Gebäude am Seerhein in Konstanz zu einem attraktiven Veranstaltungshaus zu machen. Das Bodenseeforum Konstanz soll zu einem Tagungs- und Kongresszentrum werden, das überregional vermarktet reichlich Gäste nach Konstanz führt, welche – so ist die Hoffnung – nebenbei auch die Hotels, Restaurants und Geschäfte der Stadt frequentieren werden.

Was lange währt …

Jahrzehntelang und in verschiedenen Anläufen wurde der Gedanke, dass die Stadt ebenso wie andere regionale Oberzentren endlich ein Kongress- und Veranstaltungshaus brauche, in Konstanz verfolgt. Standortfrage und Finanzierung, Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit eines neuen Gebäudes für Konstanz waren in langwierigen Diskussionen und Vorstößen verschiedener Initiativen immer wieder neu aufgeworfene Fragen.

So hielt man lange das bereits im 14. Jahrhundert erbaute Konzil-Gebäude direkt am Seeufer in Konstanz mit seinen Veranstaltungsräumen für ausreichend. Das ehemalige Kaufhaus, dessen Räumlichkeiten 1414 bis 1416 zur einzigen Papstwahl auf deutschem Boden genutzt und im Anschluss dann „Konzil“ genannt wurde, hat unbenommen historisches Flair und eine traditionsreiche Geschichte. Noch heute ist das 1968 bis 1970 mit Rücksicht auf die alte Bausubstanz renovierte und mit moderner Tagungstechnik ausgestattete Konzil ein beliebter Ort für Veranstaltungen mit bis zu 800 Gästen und Unterkunft für Hotelgäste.

Doch das alte Gebäude erfüllte nicht alle Wünsche, die an ein derartiges Haus herangetragen wurden: Ein neuer Veranstaltungsort, ein Konzerthaus, eine Stadthalle sollte gebaut werden, doch die Befürworter eines Neubaus konnten sich nicht einig werden. Wo sollte der Standort des neuen Hauses sein? An Vorschlägen mangelte es im Laufe der Jahre nicht. Aber neben dem Standort waren Finanzierungsfragen offen, tauchten Verkehrsprobleme auf und etwaige Unwägbarkeiten in der Folge schienen unkalkulierbar. Mehrheiten und positive Entscheidungen konnten lange nicht herbeigeführt werden.

Der mit alten Bäumen bestandene Büdingen-Park war neben weiteren Vorschlägen als Standort für ein Kongress- und Konzerthaus im Gespräch. Den Konstanzern besonders in Erinnerung geblieben ist sicher der Streit um das mögliche Konzerthaus auf dem Areal Klein Venedig. Zwei Bürgerentscheide 2003 und 2010, verbunden mit Kampagnen und Auseinandersetzungen, haben in der Stadt Spuren hinterlassen.

Ein weiterer Vorschlag präferierte ein Veranstaltungshaus auf dem Herosé-Gelände, der Industriebrache am Seerhein, die heute den Herosé-Park und die „Stadt am Seerhein“ beherbergt. Der Seerhein, die Verbindung zwischen Obersee und Untersee, ist eine an sich sehr attraktive Lage in Konstanz, die bis Ende des letzten Jahrhunderts jedoch von Industrieanlagen geprägt war. Die Textilfabrik Herosé hatte bis Ende der 1990er Jahre auf dem Gelände direkt am Seerhein produziert, bevor die Stoffdruckerei stillgelegt wurde und nur Kreation und Vertrieb in Konstanz verblieben.

Interessanterweise liegt das nun neu zu eröffnende Bodenseeforum Konstanz ganz in der Nähe dieses älteren Vorschlags: Das ehemalige „Centrotherm“-Gebäude wurde erst vor wenigen Jahren auf dem Areal Great Lakes am Seerhein gebaut und befindet sich damit in der Nachbarschaft des Herosé-Geländes.

Am Seerhein, neben dem Herosé-Gelände profitiert Konstanz vom Kauf des Centrotherm-Gebäudes. Es wird das Bodenseeforum Konstanz.
Am Seerhein, neben dem Herosé-Gelände, profitiert Konstanz durch den Kauf des Centrotherm-Gebäudes.

Das Solar-Unternehmen Centrotherm Photovoltaics AG hatte das mehr als 30 Millionen Euro teure Gebäude als Forschungszentrum im Jahr 2011 fertiggestellt und Anfang 2012 bezogen. Noch 2010 schien für Centrotherm die Welt in Ordnung, die Umsätze wuchsen, Großaufträge winkten. Doch die Krise der Solarbranche verschonte auch das Unternehmen mit Hauptsitz in Blaubeuren nicht. Kürzungen, Entlassungen, Insolvenz, Sanierung und schließlich 2013 die Hiobsbotschaft: Die Firma verabschiedet sich aus Konstanz. Was würde mit dem Centrotherm-Gebäude passieren? Schon Mitte 2012 – direkt nach Bekanntwerden der Insolvenz – gab es Stimmen, die anregten, man könne das Gebäude der Solarfirma doch günstig erwerben und zur Stadthalle ausbauen.

Das Gebäude wartete sowieso auf eine neue Nutzung, der Preis schien günstig, als Veranstaltungsort würde der weiße Großbau die Verkehrsströme nicht in die Altstadt leiten, sondern habe vielmehr vierspurige Anbindungen an die Schweiz und an das überregionale Verkehrsnetz. Die Zeit schien reif, Geld war aus unvorhergesehenen Steuereinnahmen vorhanden und die Chance war da, aus der vermeintlich unendlichen Geschichte um ein Kongress- und Konzerthaus für Konstanz eine Story mit Happy End zu machen.

… wird endlich gut

Am 21. Mai 2014 war es dann so weit: Der Gemeinderat beschloss nach längerer Debatte mit großer Mehrheit den Kauf des Centrotherm-Gebäudes und den Umbau zum Kongress- und Tagungszentrum. Den Kaufpreis von 14,2 Millionen Euro teilte sich die Stadt mit der IHK Hochrhein-Bodensee, die mit knapp 10 Millionen Euro den Löwenanteil übernommen hat. Den entsprechenden Beschluss fasste die IHK-Vollversammlung im Juli 2014 einstimmig.

Die IHK soll ihren Hauptsitz in die oberen Stockwerke des Gebäudes verlegen, während ein mit etlichen mobilen Wänden versehener großer Saal im Erdgeschoss und weitere Räume für Veranstaltungen im ersten Geschoss geplant sind. Noch einmal 27 Millionen Euro sollen von Stadt und IHK in Umbau und Technik investiert werden. Ein Konzerthaus wird das Gebäude nicht werden, aber die Option auf das Nachbargrundstück – und damit vielleicht Raum für einen konzertanten Anbau – ist gegeben: Konstanz hat das Grundstück für 1,3 Millionen Euro gleich dazu gekauft.

Damit ist nach langer Zeit nun ein Ort für das Veranstaltungshaus gefunden, doch wie soll es heißen, das neue Kind der Stadt Konstanz? Nachdem die Bürgerschaft beim Kauf der Immobilie nicht am Entscheidungsprozess beteiligt war, wollte man für die Namensfindung auf die Ideen vieler Köpfe zurückgreifen. Dem Gemeinderatsbeschluss zur Namensgebung ging ein groß angelegter Namenswettbewerb von Stadt, Seekurier und Radio Seefunk voraus, in dem innerhalb von zwei Wochen die imposante Zahl von 1452 Vorschlägen eingereicht wurde. Wichtig dabei: Der Name solle für Konstanzer wie für Auswärtige einprägsam und verständlich sein und für das Marketing gut verwendbar. Der Namensbestandteil Forum – wenn auch nicht unbedingt einfallsreich, dann doch international verständlich – wurde dabei in verschiedenen Kombinationen sehr häufig genannt. War das ein Vorbote der nun ausgewählten Bezeichnung „Bodenseeforum Konstanz“?

Vier Vorschläge wurden von einer Jury unter Vorsitz des Oberbürgermeisters in die engere Wahl genommen und in der Gemeinderatssitzung diskutiert. Drei der vier Ideen „KM1“ bzw. „Kilometer 1“ (für den ersten Rheinkilometer), „Rhein 1“ und „Seerhein“ erschienen für das Marketing des Veranstaltungshauses nicht geeignet, da sie weder selbsterklärend seien noch überregional verständlich. Blieb die Bezeichnung „Bodenseeforum“. Für eine Identifikation mit Konstanz brachte das JFK den Gedanken ein, den Ort Konstanz mit in den Namen aufzunehmen und plädierte für „Bodenseeforum Konstanz“. Doch in der Sitzung des Gemeinderats hagelte es Kritik: FGL, Freie Wähler und SPD signalisierten Ablehnung und monierten die vermeintliche oder tatsächliche Banalität der Namenskreation. Was also tun? Die Entscheidung vertagen? Für den Oberbürgermeister keine Option, er machte eindringlich deutlich, dass die Sitzung nicht ohne Ergebnis bleiben dürfe. So einigte man sich schließlich mit 27 zu 9 Stimmen auf den Namen „Bodenseeforum Konstanz“. Vielleicht nicht besonders originell, aber hoffentlich praktikabel, denn: In Bregenz gibt es bereits eine Veranstaltung für Personalmanager desselben Namens und auch ein Jahreskongress für Immobilienbewertung bedient sich der Bezeichnung „Bodenseeforum“. Dem Zusatz „Konstanz“ also wird ein besonderes Gewicht zukommen und es bleibt Aufgabe eines geschickten Marketings, den Namen „Bodenseeforum Konstanz“ zur Marke auszubauen.

Aber nicht nur beim Namen gibt es Sachzwänge und Reibungen von großen Visionen mit der Realität: Die ursprünglichen Planungen zu den Räumlichkeiten des Bodenseeforums Konstanz, die einen großen Saal mit bis zu 1100 Sitzplätzen vorsahen, wurden phasenweise nach unten korrigiert, nur etwa 720 Sitzplätze und rund 1500 Stehplätze sollten tatsächlich möglich sein. Doch die Entwarnung kam glücklicherweise prompt, ein Rechenfehler hatte sich eingeschlichen: Bis 1100 Plätze könne der große Saal fassen – deutlich mehr als das altehrwürdige Konzil mit maximal 800 Sitzplätzen. Erleichterung allenthalben! War doch der erhoffte sehr große Saal ein Kernargument für den Erwerb des Bodenseeforums Konstanz.

Im Laufe des Jahres 2016 will die IHK ihren Sitz in das Bodenseeforum Konstanz verlegen, etwas später in 2016 sollen dann die Räume für Veranstaltungen und Tagungen in Betrieb gehen. Das Bodenseeforum Konstanz soll sich als Tagungszentrum möglichst selbst tragen, gleichzeitig aber zu vergünstigten Mieten auch Raum für Veranstaltungen von Konstanzer Vereinigungen bieten. Von Pop-Konzerten und Fasnachts-Veranstaltungen bis zu Wissenschaftskongressen und Tagungen soll die Palette reichen. Die ersten Buchungen und Anfragen sind bereits eingetroffen.

Es ist Konstanz zu wünschen, dass die fast unendliche Geschichte und der mühsame Weg zu einem Veranstaltungshaus für die Region mit dem Bodenseeforum Konstanz dann ein glückliches Ende gefunden haben wird. Oder einen neuen Anfang, wenn auf dem Nachbargrundstück über den Bau eines Konzerthauses debattiert und möglicherweise per Bürgerentscheid abgestimmt werden wird. Ganz im Sinne eines modernen Sprichworts: Alles wird gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.

5 Gedanken zu „Bodenseeforum Konstanz – Inoffizieller Bürgerblog“

  1. Das Bodenseeforum ist für Konstanz eine große Chance und für ein Oberzentrum ein wichtiger Standortfaktor. Es wird in der Hotelerie und Gastronomie Arbeitsplätze schaffen. Als Konstanzer Bürgerin freue ich mich auf viele interessante Veranstaltungen.

    Susanne Heiß
    Stadträtin

    1. Hallo Susanne,
      vielen Dank für dein Statement! Ich habe es gleich auf der linken Seite bei „Meinungen“ eingefügt und eure Website verlinkt.

      An dieser Stelle freue ich mich natürlich auch über weitere Statements von jedem Einwohner.

  2. Das Bodenseeforum war von vollem Erfolg. Die Wohnungen müssen frei bleiben und daher ist es auch wichtig, dass es dafür auch Unterstützung der Immobilien aus Thurgau, Immobilien aus Kreuzlingen, Immobilien aus Frauenfeld und der Immobilien aus Weinfelden gibt. Alle Gebiete befinden sich in der Schweiz in der Nähe zu Konstanz. Ein Haus kaufen Kreuzlingen ist aber immer noch schwere als in Konstanz oder Bregenz.

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